Juliane Naumann: „Ungünstige überregionale Anbindung“ #wbwo

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Zehntausende Menschen verließen in den letzten 25 Jahren die Oberlausitz in Richtung Arbeitsplatz – meistens im Westen der Republik. Schulen wurden geschlossen, kulturelle Angebote zusammengestrichen, Öffentlicher Nahverkehr ausgedünnt – ein Vierteljahrhundert nach der Wende scheint die Attraktivität für eine Ansiedlung zwischen Hoyerswerda und Zittau kaum mehr gegeben. Dennoch scheint die Talsohle durchschritten, jedenfalls für die „versteckten Perlen“, wie eine Studie Bautzen und Görlitz kürzlich nannte. Beide Flußgemeinden verzeichnen seit drei Jahren steigende Bevölkerungszahlen. Warum ziehen Menschen, entgegen des allgemeinen Trends, in die Oberlausitz? Warum lassen sie sich nieder zwischen Spree und Czorneboh, zwischen „Nor“ und „Gorni“, in mitten von unüberhörbarer Stille? Das wollte ich wissen, von 10 Neu-Oberlausitzerinnen und -Oberlausitzern für die Serie „Warum Bautzen? Warum die Oberlausitz?“.

Juliane Naumann | Foto: Stadt Bautzen

Name: Juliane Naumann
Alter: 39
Tätigkeit: Bürgermeisterin für Bauwesen der Stadt Bautzen
Wohnort: Bautzen/Budyšin

Wann sind Sie nach Bautzen gezogen?

Im August 2013.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Bautzen gezogen?

Der Beruf meines Mannes.

Wo haben Sie vorher gewohnt?

Manchester.

Was erzählte man Ihnen, als bekannt wurde, dass Sie nach Ost-Sachsen ziehen?

Die ausländischen Freunde reagierten mit großem Interesse für die Region – auch wegen seiner östlichen Lage und der Grenznähe. Die Reaktionen von ost-deutschen Freunden waren gemischt – sie variierten von Anerkennung, aufgrund der städtischen Entwicklung seit den 1990er Jahren – und reichten bis zu abfälligen Äußerungen aufgrund der östlichen Lage und der Bedeutung der Stasi-Haftanstalt während der DDR.

Was gefällt Ihnen besser in Bautzen als in Manchester?

Lebensqualität für uns als Familie.

Was gefällt Ihnen weniger gut?

Die ungünstige überregionale verkehrstechnische Anbindung.

Inwieweit hat sich nach Ihrer Ankunft der Blick auf Bautzen verändert?

Mit dem Wachsen von persönlichen Beziehungen und eigenem Engagement wächst auch die Bindung zu einem Ort.

Welche städtischen Probleme würden Sie als erstes angehen, wenn Sie für eine Woche Oberbürgermeisterin wären?

Probleme die in einer Woche zu klären wären, hatte ich weder in meiner ersten Woche im Amt noch heute.

Sind Sie der Meinung, dass sich die Menschen in Bautzen ausreichendem Maße die Entwicklung ihres Ortes einbringen?

Es gibt immer ein Mehr und ein Besser. Wichtig ist persönliches Engagement, bei allem individuellen Interesse auch ein Blick für die Gemeinschaft und die Stadt als Gesamtgefüge. Das Nutzen von bestehenden Strukturen um Anliegen vorzubringen bzw. diese umzusetzen ist wichtig. Hier sind die Stadträte die wesentlichen Kontaktpunkte.

Werden Sie in Bautzen bleiben?

Ja.

Warum?

Die beruflichen Perspektiven sind für mich als auch für meinen Mann in den kommenden Jahren sehr gut in Bautzen. Unsere Kinder gehen hier zur Schule. Wir haben uns hier einen Freundeskreis aufgebaut. Die Lebensbedingungen sind gut. Das spricht alles fürs Bleiben.

Was verbinden Sie mit dem Sorbischen?

Religiosität, Kultur und Brauchtum, starke Identität (wenn auch nicht die meine).

Ihr Ort in drei Worten?

Europa, Oberlausitz, Bautzen

Dreisprachig

3 Gedanken zu „Juliane Naumann: „Ungünstige überregionale Anbindung“ #wbwo

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