Susa: „Die Oberlausitz bietet viele Besonderheiten“ #wbwo

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Zehntausende Menschen verließen in den letzten 25 Jahren die Oberlausitz in Richtung Arbeitsplatz – meistens im Westen der Republik. Schulen wurden geschlossen, kulturelle Angebote zusammengestrichen, Öffentlicher Nahverkehr ausgedünnt – ein Vierteljahrhundert nach der Wende scheint die Attraktivität für eine Ansiedlung zwischen Hoyerswerda und Zittau kaum mehr gegeben. Dennoch scheint die Talsohle durchschritten, jedenfalls für die „versteckten Perlen“, wie eine Studie Bautzen und Görlitz kürzlich nannte. Beide Flußgemeinden verzeichnen seit drei Jahren steigende Bevölkerungszahlen. Warum ziehen Menschen, entgegen des allgemeinen Trends, in die Oberlausitz? Warum lassen sie sich nieder zwischen Spree und Czorneboh, zwischen „Nor“ und „Gorni“, in mitten von unüberhörbarer Stille? Das wollte ich wissen, von 10 Neu-Oberlausitzerinnen und -Oberlausitzern für die Serie „Warum Bautzen? Warum die Oberlausitz?“.

Name: SusaFoto: Susa
Alter: 34
Tätigkeit: Lehrerin
Wohnort: Ein kleiner Ort nahe Bautzen

Wann bist du in den kleinen Ort nahe Bautzen gezogen?

Im September 2010.

Aus welchen Gründen bist du in den Ort gezogen?

Ich bin aus beruflichen Gründen in die Oberlausitz gekommen. Nachdem ich zunächst an meinem Arbeitsort untergekommen war, bin ich ein halbes Jahr später nach Bautzen gezogen. Inzwischen wohne ich in einem kleinen Ort in Stadtnähe.

Wo hast du vorher gewohnt?

Meine Heimatstadt ist Plauen im Vogtland.

Was erzählte man dir, als bekannt wurde, dass du nach Ost-Sachsen ziehst?

Die Rede war vom Kraftwerk Boxberg, dem Tagebau und dass Bautzen eine schöne Stadt sein soll. Aber genaueres wusste niemand in meinem Familien- und Bekanntenkreis.

Was gefällt dir besser in der Oberlausitz als in Plauen?

Mir fällt es sehr schwer, beide Regionen miteinander zu vergleichen. Beide würden mir fehlen, ein besser oder schlechter gibt es da nicht.

Was gefällt dir weniger gut?

Es ist sehr nervig, nach sechs Jahren hier immer noch darauf angesprochen zu werden, wo ich herkomme. Dazu reicht es schon, mit fremden Leuten ein paar Sätze auszutauschen. So ausgeprägt ist mein Dialekt nun auch wieder nicht. Ich empfinde diese Frage immer als Abgrenzung. Zum Heimatgefühl trägt sie jedenfalls nicht bei.

Inwieweit hat sich nach deiner Ankunft der Blick auf die Oberlausitz verändert?

Ich habe die Region in den letzten Jahren überhaupt erstmal kennengelernt. Die Oberlausitz bietet viele Besonderheiten, die die Gegend einzigartig machen.

Bringst du dich in die Entwicklung deines Ortes ein?

Nein, derzeit nicht.

Warum nicht?

Das hängt wahrscheinlich mit meinem fehlenden Heimatgefühl zusammen. Neben einigen netten Begegnungen ist mir während meiner Zeit in der Oberlausitz auch einige Ablehnung entgegengeschlagen. Zudem bin ich auch beruflich sehr eingespannt und habe eine kleine Tochter.

Welche dörflichen Probleme würdest du als erstes angehen, wenn du für eine Woche Bürgermeisterin wärst?

Unser Ort könnte einen neuen Kinderspielplatz gut gebrauchen. Daneben ist der Ausbau der Internetverbindungen im ländlichen Raum das Thema der nächsten Jahre. Wir müssen mit LTE auskommen, da die Leitungen hier restlos überlastet sind.

Wirst du in der Oberlausitz bleiben?

Ja, im Moment sieht es so aus, dass ich auch die nächsten Jahre hier verbringe. Aber wenigstens einen Umzug in einen anderen Ort wird es noch geben.

Warum?

Das hat eher mit privaten Gründen zu tun.

Was verbindest du mit dem Sorbischen?

Durch die Straßenschilder wird man ja täglich an die Zweisprachigkeit der Region erinnert und damit auch an das Sorbische. Ich finde es schade, dass es keinen Online-Kurs für die sorbische Sprache gibt. Dann hätte ich mich bestimmt schon mal angemeldet. Zu Ostern schaue ich mir gerne die Osterreiterzüge an.

Dein Ort in drei Worten?

Das wird schwer. Ich wohne hier ganz gut und das ist im Moment in Ordnung so. Die große Liebe ist es aber nicht. Ich hoffe, dieser Ort wird sich noch finden.

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4 Gedanken zu „Susa: „Die Oberlausitz bietet viele Besonderheiten“ #wbwo

      1. Kann kein sorbisch.

        Eine Übersetzung hätt ich gut gefunden, geh ich eben den Transator ärgern und der sicher mich.
        Kann kein sorbisch.

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