Peter Kilian Rausch: „Bautzen wird bunt“ #wbwo

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Zehntausende Menschen verließen in den letzten 25 Jahren die Oberlausitz in Richtung Arbeitsplatz – meistens im Westen der Republik. Schulen wurden geschlossen, kulturelle Angebote zusammengestrichen, Öffentlicher Nahverkehr ausgedünnt – ein Vierteljahrhundert nach der Wende scheint die Attraktivität für eine Ansiedlung zwischen Hoyerswerda und Zittau kaum mehr gegeben. Dennoch scheint die Talsohle durchschritten, jedenfalls für die „versteckten Perlen“, wie eine Studie Bautzen und Görlitz kürzlich nannte. Beide Flußgemeinden verzeichnen seit drei Jahren steigende Bevölkerungszahlen. Warum ziehen Menschen, entgegen des allgemeinen Trends, in die Oberlausitz? Warum lassen sie sich nieder zwischen Spree und Czorneboh, zwischen „Nor“ und „Gorni“, in mitten von unüberhörbarer Stille? Das wollte ich wissen, von 10 Neu-Oberlausitzerinnen und -Oberlausitzern für die Serie „Warum Bautzen? Warum die Oberlausitz?“.

Peter Kilian Rausch (l.) bei der Arbeit. | Bild: Screenshot aus "Reportage aus Bautzen: Wo Asylbewerber im Spree-Hotel wohnen"
Peter Kilian Rausch (l.) bei der Arbeit. | Bild: Screenshot aus „Reportage aus Bautzen: Wo Asylbewerber im Spree-Hotel wohnen“

Name: Peter Kilian Rausch
Alter: 57
Tätigkeit: Geschäftsführer Spreehotel Bautzen GmbH, Betreiber Asylbewerberunterkunft Spreehotel
Wohnort: 1. Wohnsitz, 78166 Donaueschingen, 2. Wohnsitz 02625 Bautzen

Wann sind Sie nach Bautzen gezogen?

Im März 2000.

Aus welchen Gründen sind Sie nach Bautzen gezogen?

Ein eigenes Hotel zu betreiben, in einer Region die auf Grund der EU Osterweiterung in der Mitte Europas liegt. Dreiländereck, vergleichbar mit meiner Heimat im Schwarzwald.

Wo haben Sie vorher gewohnt?

Donaueschingen, Mainz, London, Frankfurt/ Main, Wien, Amman, Damaskus, Paris, Birmingham, Berlin.

Was erzählte man Ihnen, als bekannt wurde, dass Sie nach Ost-Sachsen ziehen?

Tiefster Osten, Tal der Ahnungslosen, Gelbes Elend, wo ist denn das?

Was gefällt Ihnen besser in Bautzen als in den ehemaligen Wohnorten?

Meine Selbstständigkeit, „handfeste“, bodenständige Menschen, die ohne viel Aufhebens Stolz auf ihre Heimat sind.

Was gefällt Ihnen weniger gut?

Dass ich bis heute, nach fast 17 Jahren immer noch von einigen Menschen in die Kategorie „Wessi“ gesteckt werde.

Inwieweit hat sich nach Ihrer Ankunft der Blick auf Bautzen verändert?

Es ist viel entstanden in letzten 17 Jahren, Chapeau! Es gibt aber noch viel zu tun, speziell in den Köpfen.

Bringen Sie sich in die Entwicklung Ihres Ortes ein?

Ich habe über Jahre versucht eine Entwicklung am Stausee Bautzen mitzugestalten, ohne nennenswerten Erfolg. Heute bin ich maßgeblich für den Stillstand der Stauseeentwicklung verantwortlich.

Welche städtischen Probleme würden Sie als erstes angehen, wenn Sie für eine Woche Oberbürgermeister wären?

Das Engagement der Stadt in Hinblick auf die Integration der Flüchtlinge verstärken. Den Menschen die Chancen, die der Zuzug der Neubürger mit sich zieht, zu vermitteln.

Werden Sie in Bautzen bleiben?

Nein.

Warum?

Auch ich habe eine Heimat und Wurzeln.

Was verbinden Sie mit dem Sorbischen?

Friedliches Zusammenleben und bewahren alter Traditionen.

Ihr Ort in drei Worten?

Bautzen wird bunt.

Ein Gedanke zu „Peter Kilian Rausch: „Bautzen wird bunt“ #wbwo

  1. Laut Bautzner Zeitung vom 13.August 2016 ist jeder 5. Flüchtling ein Analphabet.
    Bisher konnten nur 2 junge Leute in eine geringfügige Beschäftigung gebracht werden.
    Das heißt alle offiziell registrierten Flüchtlinge müssen in einer Form auch in unserer Stadt alimentiert werden vom Steuerzahler.

    Weiterhin stelle ich fest, das die Kindergartengebühren und demnächst die Benutzungsgebühren für Turnhallen für Kinder und Jugendliche erhöht werden.

    +++ Welche städtischen Probleme würden Sie als erstes angehen, wenn Sie für eine Woche Oberbürgermeister wären?

    Das Engagement der Stadt in Hinblick auf die Integration der Flüchtlinge verstärken. Den Menschen die Chancen, die der Zuzug der Neubürger mit sich zieht, zu vermitteln.

    +++ Werden Sie in Bautzen bleiben?
    Nein.

    Das sagt alles, man zieht einfach weiter, wenn es auch als staatlich bezahlter Betreiber einer Asylunterkunft nicht klappt in Bautzen.

    Wie gesagt nicht nur reden was andere machen müssten, sondern die Ärmel hochkrempeln. Tut mir leid Herr Killian, ich kann solle Reden nicht mehr hören.

    Maria Weißenberger Bautzen

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