Serie: „Warum Bautzen? Warum die Oberlausitz?“

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wbwo

12.000, 18.000, 2.000, 30.000, 8.000.

Das sind Kennziffern, die Häuserzeilen verschwinden, Schulen schließen, Jugendarbeit einstellen, kulturelle Angebote versiegen, Bus- und Bahnverbindungen reduzieren und Haarschöpfe in der Mehrzahl grauer werden lassen. Bautzen, Görlitz, Löbau, Hoyerswerda, Zittau.

Seit 1990 ist keine der eben genannten Städte merklich gewachsen. Rund 60.000 Menschen verließen nur allein diese fünf Ortschaften. Seit 25 Jahren verzeichnet das Oberlausitzer Dreieck zwischen Bautzen, Hoyerswerda und Zittau einen kontinuierlichen Menschenabzug. Warum das so ist? Darüber gibt es keine zwei Meinungen: das Fehlen von (gut bezahlten) Arbeitsplätzen. Fernab der größeren Städte, ist die Oberlausitz zudem, wie es die Studie „Schwarmverhalten in Sachsen“ neulich formulierte, durchzogen von sogenannten „Schrumpfungsgemeinden“.

Dennoch, sagt die gleiche Studie, gehören Bautzen und Görlitz zu den „Wachstumsstädten“ in Ost-Sachsen – sogar das Attribut „versteckte Perlen“ rutschte den Autoren über die Tastatur. Und wahrlich: Zieht man den Fokus kleiner, wird sichtbar, dass beide Städte an Einwohnern gewinnen. Waren es in der Spreestadt im Jahr 2012 noch 39.743 Bautz‘nerinn und Bautz’ner, stehen nun rund 40.500 im Melderegister (für Görlitz: 54.114 zu 55.255). Ein Trend gegen den Trend? Und wer kommt da eigentlich in die Oberlausitz? Und warum? Klar, einen Großteil der Zugezogenen machen geflüchteten Menschen aus. Doch, werden diese auch in den kommenden Jahren in der Hornja Łužica bleiben? Werden sie vielleicht doch weiterziehen, der Arbeit nach, der Heimat hinterher?

Ich, der Bautzen vor längerer Zeit verlassen hat, wollte es einmal genauer wissen. Was treibt Menschen dazu, sich freiwillig in die Arme zu legen von Spree und Czorneboh, von „Nor“ und „Gorni“, von unüberhörbarer Stille? In den kommenden fünf Wochen werden Menschen zu Wort kommen, die den Entschluss gefasst haben, den Trend gegen den Trend (unbewusst) einzuläuten. Mit der Sommer-Serie „Warum Bautzen? Warum die Oberlausitz?“ (bei Twitter: #wbwo) will ich herausfinden, warum sich die Ankömmlinge, trotz aller wirtschaftlichen, kulturellen oder sonstwelchen Schwierigkeiten und womöglichen Vorurteilen, damals auf den Weg machten, nach Ost-Sachsen. Was schlechter läuft, was besser funktioniert; bleiben oder gehen?

Den Beginn macht: Luna, mit ihrem Blick aus einem Dorf zwischen Löbau und Ebersbach.

#2: Peter Kilian Rausch: „Bautzen wird bunt“
#3: Robert: „Unerschöpflicher Quell der Faszination“
#4: Olivia: „Lust auf ein kleines bisschen Anarchie“
#5: Susa: „Die Oberlausitz bietet viele Besonderheiten“
#6: Annemarie: „Geschichtsträchtig gespalten“
#7: Diana: „Die Engstirnigkeit gegenüber neuen Dingen“
#8: Juliane Naumann: „Ungünstige überregionale verkehrstechnische Anbindung“
#9: Annalena: „Die Wohnungspreise sind super“
#10: Alexander Ahrens: „Ich habe Berlin nicht eine Sekunde vermisst“

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