„Schule sollte als Lebensraum für Schüler dienen“

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Eine „Jugend-Ideen-Konferenz“ (JIK) in und für die Stadt Bautzen. Ein mächtiges und gleichwohl prächtiges Wort: „Jugend-Ideen-Konferenz“. Darin steckt viel Verständnis für die Anliegen einer Generation, die Kommune gestalten möchte; viel demokratisches Feingefühl für die Weiterentwicklung einer Gemeinde; viel Vertrauen in die Wirkmächtigkeit intelligenter Bürgerinnen und Bürger.

Vier Monate ist es nun her, dass sich Kinder, Jugendliche, Sozialarbeiter und Politiker an eckigen Tischen trafen, um über nichts weiter zu diskutieren, als über eine jugendgerechte Zukunft im Herzen der Oberlausitz. Was seit diesem denkwürdigen Ereignis geschehen ist, ob überhaupt etwas geschehen ist, darüber habe ich mit Felix gesprochen. Der 16-Jährige ist Schüler in Bautzen und Sprecher der „Jugend-Ideen-Konferenz“.

Eine Jugend-Ideen-Konferenz, so etwas gab es in der Stadt Bautzen, so jedenfalls meine Erinnerung, noch nie. Wie kam es zu dieser Veranstaltung?

Ja, du hast Recht. Das war die erste große Veranstaltung dieser Art. Am 1. März fand die Jugend-Ideen-Konferenz statt, zusammen mit Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Es kam dazu, da der OB mit den Jugendlichen zusammen die Stadt attraktiver für jüngere Leute machen will. Deswegen kam es auch zu dieser Konferenz, damit man schauen konnte, wo die Problemstellen liegen und was verändert werden muss.

Und da ist Herr Ahrens in Deine Schule gekommen und hat gesagt: „Hey, lass uns mal diskutieren.“?

Nein. Das Rathaus und das Steinhaus hatten sich eine gemeinsame Veranstaltung überlegt, in der es darum gehen sollte, die Anliegen der Jugendlichen zu besprechen und auch Ideen zu sammeln wie man die Stadt jugendfreundlicher gestalten könnte. Das Ganze lief dann im Steinhaus – gemeinsam mit Herr Ahrens – ab und es kamen viele Wünsche und Vorschläge zusammen.

Und Deine Schule, beziehungsweise die Schulen in Bautzen, sind nicht in irgendeiner Weise in die Konferenz mit eingebunden gewesen?

Doch, aber die kamen erst vor kurzem dazu. Wir haben in Workshops das Projekt „JIK“ vorgestellt und in Schulen auch Umfragen gestartet. Das heißt im Klartext, dass die Schulen eingebunden sind in unser Projekt. Wir setzen uns ja mit Jugendlichen auseinander, dazu gehören nun auch Schüler. Es ist zudem wichtig auf die Schulen zuzugehen, damit ein Raum geschaffen wird beziehungsweise eine Möglichkeit die aktive Jugendbeteiligung in der Stadt zu erhöhen. Jeder soll seine Meinung und Vorschläge äußern können, dafür sind die Schulen ein sehr wichtiger Zugangspunkt.

Und welche Vorschläge sind da so zusammengekommen auf der ersten Jugend-Ideen-Konferenz?

Es gab viele Vorschläge bezüglich Freizeitgestaltung und Orte wo man sich treffen kann. Die Nutzung von Grünflächen beziehungsweise Plätze, die für Jugendliche als Treffpunkt genutzt werden können. Nutzungsmöglichkeit im Sinne von: Grillen, Spielplätze oder für Veranstaltungen. Auch Dinge wie freies WLAN oder Jugendclubs spielten eine Rolle. Doch vorwiegend ging es darum, Flächen und Treffpunkte zu schaffen für Jugendliche, damit eine bessere Aufenthaltsqualität entsteht. Eine Thematik, die auch oft angesprochen wurde: rechte Gewalt und Toleranz.
Außerdem wurde die Thematik „Schule“ eingebracht. Schule sollte als Lebensraum für Schüler dienen und demnach auch so gestaltet werden. Fußballplätze, die an Schule liegen, sollten auch wieder frei zugänglich sein, womit wir wieder bei Treffpunkten und Freizeitgestaltung wären.
Das Umland wurde auch besprochen, insbesondere die Verkehrssituation. Es sollte bessere Busverbindungen geben für Schüler, die außerhalb wohnen. Insgesamt wurden also viele Themen besprochen, die den jugendlichen Alltag betreffen.

Und diese Themen habt ihr dann zum Oberbürgermeister getragen, und der hat dann entschieden, was wichtig ist und was nicht?

Der OB war ja selbst dabei und hat ja gesehen wie wichtig welche Themen sind. Nach der ersten „JIK“ gab es noch ein paar Veranstaltungen, zum Beispiel: Jugendclubräume in Bautzen. Mit der Zeit haben wir eine Struktur entwickelt in Form von Arbeitsgruppen, die sich themenspezifisch treffen und diskutieren. Natürlich auch mit Stadträten und anderen Jugendlichen. Es wurde eine Basisgruppe geschaffen, die sich aller 2-3 Wochen trifft, um über den aktuellen Stand zu reden. Nach diesen Treffen gehen die gesammelten Informationen an Herr Ahrens, sodass er sehen kann, wo Fortschritte gemacht wurden.

Konnten denn bereits Fortschritte gemacht beziehungsweise Probleme behoben werden, die die Jugendlichen als solche benannt haben?

Zum Teil ja. Als Beispiel: Porsches Wiesen. Dies ist eine Möglichkeit, die uns die Stadt zum Testen gegeben hat, diese freie Fläche als Treffpunkt zu nutzen.
Außerdem wäre da noch das Beispiel mit den sanitären Einrichtungen und den Möbeln (Tische, Stühle) an Schulen. Der Finanzbürgermeister hat sich das in den jeweiligen Schulen angeschaut nachdem wir das Projekt im Stadtrat vorgestellt haben.
Probleme allgemein werden diskutiert mit Vertretern der Stadt und auf jeden Fall ernst genommen.

Schön zu hören. Du hast ja vorhin einen ganzen Strauß von Dingen aufgezählt, die die Bautzener Jugend beschäftigt. Welches dieser Themen liegt Dir persönlich am Herzen?

Auf jeden Fall die Bereiche Freizeit und Sport sowie Bildung mit all den Problemen. Als Sportler liegt mir natürlich das Problem mit den Bolzplätzen besonders am Herzen, da ich weiß wie es ist kein Fußballplatz in der Nähe zu haben. Das fehlt dann als Ausgleich für den Körper und Geist und als Treffpunkt für beziehungsweise mit Freunden.

Jugend von heute ist ja schwer beschäftigt. Schule bis nachmittags, Hausaufgaben, vielleicht noch Training im Sportverein, ein Let’s-Play aufnehmen, oder andere Hobbies. Wann bleibt da Zeit sich über Stadtentwicklung Gedanken zu machen?

Das fängt ja in der Schule an und hört im Sportverein auf: Gesellschaft. Man ist draußen, mischt sich unter die Bevölkerung. Man sieht die Umwelt. Irgendwann, denke ich, kommt jeder auf den Zukunftsgedanken. Entweder über sich selber oder über andere Dinge wie Zukunftsgestaltung der eigenen Stadt. Aber es ist durchaus für Einige ein Zeitproblem, oder dann auch ein Interessenproblem.

Sucht ihr noch Kinder und Jugendliche, die sich einbringen? Oder seid ihr jetzt erst einmal genug?

Wir sind immer erfreut wenn sich neue Jugendliche mit einbringen. Neue Menschen – neue Sichtweisen. Jeder hat die Chance das Projekt „JIK“ zu unterstützen, ganz getreu unserem Motto: „Mut zur Veränderung!“ Also ja, neue Leute sind immer willkommen.

Gibt es für interessierte Kids vielleicht auch eine Facebook-/Twitter-Seite, ein Blog, eine E-Mail-Adresse wo sie sich hinwenden können?

Ja, wir haben eine Facebook-Seite und ein E-Mail-Adresse: jik.bautzen@gmail.com. Zudem kann ich nur empfehlen, in der Schule in die Infokästen zu schauen. Da werden ab dem neuen Schuljahr immer die Informationen für Treffen aushängen.

Dann wünsche ich Dir und euch noch viel Zeit und Freude beim Einmischen und Verändern – die Stadt braucht euch. Vielen Dank für das Gespräch!

Danke. Immer mit „Mut zur Veränderung!“

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