Der Glaube an den „guten“ Brand

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Die CDU Bautzen plant für den kommenden Mittwoch eine Veranstaltung unter dem Titel „Bautzen und der Kampf für mehr Toleranz – wie die Stadt zum demokratischen Leuchtturm der Oberlausitz werden kann.“

Das war natürlich, Sie haben es sicher bemerkt, ein Witz.

Die CDU Bautzen freut sich am kommenden Mittwoch auf den Stammtisch „‚Beifall, Schaulustige oder eher doch nichts gewesen?‘ – Zum Brand im ‚Husarenhof‘: Augenzeugen berichten“. Auch Stadtsprecher André Wucht wird daran teilnehmen – vielleicht um über die Macht jener journalistischen Medien in Deutschland zu berichten, die in einigen Landstrichen nur noch unter „Lügenpresse“ zusammengefasst werden. Dass das gerufen würde, also „Lügenpresse, Lügenpresse, Lügenpresse“, so Wucht gegenüber der Welt vor zwei Monaten, könne er seit der Berichterstattung zu Bautzen „allmählich verstehen“.

Wucht geht aber noch einen Schritt weiter und gibt den Chefaufklärer zur Brandnacht. Gegenüber der Sächsischen Zeitung behauptet der langjährige Leiter des Öffentlichkeitsreferats, dass der Anschlag auf das unbewohnte Asylbewerberheim keine politische Tat war. Der Brandsatz, und nun Obacht, wurde so professionell gelegt, dass ein rassistisches Tatmotiv ausgeschlossen werden könne. Dass sich die echten Brandermittler nun vom Kriminalistikdarsteller auf den Schlips getreten fühlen, ist dann nur logisch – wie Matthias Meisner im Tagesspiegel zeigt:

Auch der Sprecher des sächsischen Landeskriminalamtes, Tom Bernhardt, sagte: „Unser oberstes Gebot ist immer die Neutralität und ein umfassender Blick auf alle denkbaren Möglichkeiten. Eine etwaige Anmerkung, dass die ,Professionalität‘ des Brandsatzes nicht zu den meist verwendeten ,einfachen‘ Tatmitteln aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität passt, ist eine empirische Feststellung.“ Eine Bewertung, ob die Tat einen politischen Hintergrund gehabt habe oder nicht, lasse sich daraus nicht ableiten. „Es spielt für die Gutachter unseres Hauses keine Rolle, welche Motivation der Tat zu Grunde liegt.“ Von der Beschaffenheit eines Brandsatzes lasse sich nicht auf die Motivation schließen. Diese Frage spiele bei der Klärung der Brandursache auch keine Rolle. Die Gutachter des Landeskriminalamts hatten kürzlich ein Gespräch mit dem Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens geführt.

Dass die Union und das Rathaus so vehement an der vorschnellen Aufklärung des Husarenhofbrands herumfuhrwerken, kann ich mir nur schwer erklären. Sicher wird die Tatsache eine Rolle spielen, dass Bautzen als vermeintliches Nazi-Nest in aller Welt verschrien ist. Aber ganz ehrlich, Bautzen interessiert diesbezüglich nur wenige Menschen. Bautzen wird nur immer dann wieder zurück in den medialen Ring gezerrt, wenn die Stadtverwaltung versucht, mit halbgaren Aussagen von einer vermeintlich rassistischen Tat nicht auszugehen. Damit zerreißen die eigenen Angestellten das gute Bild, das der Oberbürgermeister Ahrens kurz nach dem Anschlag über alle Kanäle abgab.

Solle man doch die polizeilichen Ermittlungsmaßnahmen mit einer gewissen Anspannung verfolgen und zu gegebener Zeit auf Ergebnisse mit einer gebotenen Zurückhaltung reagieren. Mit jedem weiteren CDU-Stammtisch und jedem weiteren Statement des Stadtsprechers allerdings, verwässern die Konturen zwischen Realität und dem schieren Glauben an einen „guten“ Brand. Budyšin sollte seine Zeit, sein Geld und seine Lobbyarbeit lieber in die sich äußerst langsam entwickelnde Zivilgesellschaft investieren. Denn demokratische Verhältnisse, sind so ziemlich die besten Werbeträger, die man sich vorstellen kann.

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Ein Gedanke zu „Der Glaube an den „guten“ Brand

  1. Zitat aus dem Artikel:

    „so Wucht gegenüber der Welt vor zwei Monaten, könne er seit der Berichterstattung zu Bautzen „allmählich verstehen“……………“

    Keine Wucht der Herr Wucht eher eine Unwucht……

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