„SS-Security“ im „SS-Steinhaus“? Nach großflächigem Edding-Einsatz lädt das Kulturhaus zum Gespräch

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Foto: https://de-de.facebook.com/SteinhausBautzen
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Alljährlich fällt im Steinhaus Bautzen das Weihnachtsfest aus. Die Partys am Heiligen Abend sind legendär. Viele Exil-Bautzener treffen sich exakt an diesem Tag, um über ihre längst vergangene Zeit in der Spreestadt zu sinieren. Umrandet werden diese Geschichten mit guter Musik, viel Tanz und reichlich Alkoholika. Auch vor ein paar Tagen ging es so wieder zu im Kulturhaus an der Steinstraße – nur diesmal mit einem eher weniger ausgelassenen Abschluss.

Der Vorstandsvorsitzende des Vereins „Willkommen in Bautzen“, Sven Scheidemantel, macht das in der Nacht zum 25. Dezember Geschehene „traurig, wütend und fassungslos.“ Ein anderer Besucher des Abends sieht gar die offene Jugendkultur im Steinhaus gefährdet: „Für mich war das Steinhaus für 20 Jahre ein Schutzraum in dem sich alternative Personen sicher fühlen konnten aber mittlerweile herrscht ein Gefühl der Angst.“

Was war passiert: Das Steinhaus Bautzen veröffentlichte ein Tag nach der Veranstaltung Bilder von verunstalteten Toilettenräumen. Die Schriftzüge, die sich über so ziemlich alle Sanitäranlagen zogen, reichten vom einfachen „Love“ bis hin zur schriftlichen Auseinandersetzung mit der eingesetzten Security-Mannschaft. Diese Ordner seien „SS-Security“ und man sollte doch mal genauer hinschauen, wen man sich da an die Tür stellt. Weiterhin, so die Schilderungen von Anwesenden, soll es am Weihnachtsabend zu unschönen Szenen zwischen eben jenen Sicherheitsleuten und Gästen gekommen sein. Ein Kommentar bei Facebook beschreibt das dann so:

Wenn im Steinhaus Typen mit Thor Steinar Tattoos rum laufen, die Security andauernd Leute super brutal raus hauen und am Ende eine Person von der Security sogar bis ins Krankenhaus geprügelt wird, dann läuft doch einiges schief.

Das Steinhaus selbst beklagt in einer ersten Stellungnahme die enorme Sachbeschädigung und das beschämende Zeichen, das unter anderem an die in Bautzen untergekommen Flüchtlinge gesetzt wurde: „Was sagen wir den Geflohenen, warum überall ‚SS-Security‘ und ‚SS-Steinhaus‘ geschrieben steht, wo sie doch gerade anfangen, sich im Steinhaus wohl zu fühlen.“ Zu den Vorwürfen, bei der beauftragten Sicherheitsfirma würde es sich um Neonazis handeln, äußert sich das Kulturhaus ebenso via Facebook:

In den Jahren unserer Zusammenarbeit wurde von Angehörigen der Security-Firma keine Straftat begangen, dies wäre für uns selbstverständlich Anlass für Konsequenzen gewesen. Insofern besteht ein Vertrauensverhältnis, das sich auch darauf gründet, dass wir in der überwiegenden Zahl der vielfältigen Einsätze mit der professionellen Arbeit der Security sehr zufrieden waren. Wo das nicht der Fall war, haben wir das im Nachgang schnell und direkt mit der Firma besprochen und Änderungen vereinbart.

Zur Klärung der erhobenen Vorwürfe und zur sachlichen Aufarbeitung des Geschehenen lädt das Steinhaus nun am 4. Januar zu einer klärenden Gesprächsrunde mit allen unmittelbar Beteiligten. Dazu hat es, wie es jemand formuliert, anscheinend erst den Einsatz des Eddings gebraucht. Dass solche Vorwürfe nicht erst seit dem diesjährigen Weihnachtsfest dem Steinhaus bekannt sind, räumte das Jugendzentrum in der Veranstaltungsankündigung selbst ein. Darin beschreibt das Steinhaus, dass es bereits bei einigen anderen Events zu ähnlichen Szenen und darauf folgenden Hinweisen gekommen sein soll.

Liebe Steinhausgäste, Mitwirkende, Jungendliche, nach dem letzten Weihnachtsfest im Steinhaus möchten wir mit EUCH das gemeinsame Gespräch suchen. Dieses Jahr „Weihnachten fällt aus!“ war für viele weniger schön wahrnehmbar. Neben zahlreichen Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen gab es auch heftige Kritik in Bezug auf die Sicherheit der Veranstaltung sowie der Organisation. Rückmeldungen solcher Art sind uns nicht erst seit Weihnachten bekannt, sondern bereits bei anderen Veranstaltungsformaten angesprochen worden. Deshalb ist es uns wichtig, mit euch direkt das Gespräch zu suchen. Kommt am 4.1. um 18 Uhr ins Steinhaus – erzählt uns von euren positiven aber auch negativen Erfahrungen. Gebt Hinweise, wie Veranstaltungen im Steinhaus für jeden sicher und angenehm gestaltet werden können. Nur mit eurer Beteiligung an dieser Gesprächsrunde, können wir als Steinhausteam auf konkrete Situationen eingehen und mit Lösungsmöglichkeiten in Zukunft Veranstaltungen besser organisieren.