„Yakuza“ reagiert auf AIB-Vorwürfe: „Wir distanzieren uns vom rechten Milieu“

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Mode aus Bautzen für Extrovertierte. Ob der „No Rules“-Spirit auch Nazis gut riecht, darüber gehen die Meinung auseinander. | Screenshot: yakuzastore.com

Die Anschuldigungen wiegen schwer. Unter der Überschrift „‚Yakuza‘ – das neue ‚Thor Steinar‘?“ beschreibt das Antifaschistische Infoblatt (AIB) in seiner aktuellen Ausgabe mögliche Überschneidungen des 2004 in Bautzen gegründete Modelabel „Yakuza“ mit der neonazistischen Szene und zieht den Vergleich zu der bei Kameraden äußerst beliebte Oberbekleidungsfirma „Thor Steinar“. Konkret geht es in dem Artikel um persönliche Verbindungen des Label-Gründers Markus Eisold zu Personen der sächsischen Naziszene sowie um vertriebliche Absatzmärkte innerhalb der rechten Klientel. So schreibt das AIB davon, dass „Eisold Anfang der 2000er zum Umfeld der 1993 gegründeten sächsischen ‚Hammerskin‘- Sektion ‚East Saxon Hammerskins‘“ gehörte. Außerdem soll der Firmengründer und bekannte Tätowierer dem damaligen „East Saxon Hammerskins“-Führer und V-Mann, Mirko Hesse, das Logo der Vereinigung unter die Haut gezeichnet haben. Darüber hinaus soll die Kleidung der nach der japanischen Mafia benannten Modemarke in Szeneshops für Naziklamotten verkauft worden sein. Unter anderem auch in Tschechien. Dort soll der Bassist der Rechtsrock-Band „Conflict 88“, Tomáš Marek, als offizieller Weiterverkäufer des Labels in Erscheinung getreten sein.

Der Fall scheint für das AIB und viele andere klar: Bei „Yakuza“ handelt es sich um eine Firma, die, ähnlich „Thor Steinar“, sich nicht beschwert, wenn ihre Mode von Neonazis vertrieben und getragen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Gründer und Designer in seiner Vergangenheit mit üblen Typen aus der rechten Szene umgab. Vielleicht ja sogar noch heute? „Markus [Eisold] war nie Teil einer rechtsextremistischen Vereinigung wie die bekannten ‚Hammerskins‘ oder ähnlichen Organisationen.“ Aber ja, schiebt die PR-Abteilung von „Yakuza“ gegenüber „Lauter Bautz’ner“ nach, „er hatte Kontakt zu Mirko Hesse, die sich jedoch vorrangig auf seinen beruflichen Part als Tätowierer bezog.“ Nach heutigen Gesichtspunkten würde Eisold solche politische Tätowierungen, wie das Hammerskin-Logo, ablehnen, „weil sie seinem eigenem Weltbild und Vorstellungen nicht entsprechen.“ Überhaupt hätte der heute 38-Jährige den Kontakt zu Hesse wegen seiner politischen Haltung abgebrochen.

„Wir unterscheiden ausschließlich zwischen Arschloch und Nicht-Arschloch“

Unterbunden will „Yakuza“ auch die Vertriebsverbindungen mit Läden der Neonaziszene haben. „Dieses Verfahren haben wir bereits im Jahr 2013 bei ‚The Store‘ in Pirna und aktuell 2015 bei Bahls – respektive dem Laden ‚Herz und Seele‘ in Berlin – angewendet und sämtliche Rechte unser Label zu vertreiben oder über eigene Kanäle zu kommunizieren wurden genannten Personen untersagt.“ Bisher nichts gewusst habe man vom musikalischen Hobby des Tschechen Tomáš Marek, dies „wird aber umgehend intern geprüft und gegebenenfalls werden Konsequenzen daraus gezogen.“ Betonen möchte Yakuza allerdings, dass es sich beim „Conflict 88“-Basser nicht um einen offiziellen Vertriebspartner handelt, sondern lediglich um einen „normalen Einzelhändler.“

Und der vom AIB bemühte Vergleich mit „Thor Steinar“? Da das Label aus der Oberlausitz „keine völkischen oder germanisch, mythologischen Slogans oder andere krude Ideologien“ auf ihrer Kleidung verarbeite, rückt der PR-Mann in seiner E-Mail zurecht, möchte das „unpolitische Label“ weder mit der Thor-Steinar Zielgruppe, noch mit der Firma aus Mittenwalde in Verbindung gebracht werden. Schlussendlich betont „Yakuza“ vehement, dass das Label in keinem Falle etwas zu tun haben will, mit dem Nazi-Chiqué, das ihr vorgeworfen wird:

Wir distanzieren uns strikt vom rechten Milieu und möchten mit politischen Veranstaltungen oder Personen in keinerlei Verbindung gebracht werden. Auch jegliches patriotisches, nationalistisches oder sonstiges dümmliches Gedankengut wird von uns nicht toleriert. Bei unseren Shootings stehen regelmäßig Menschen jeglicher Hautfarbe und Ethnie vor der Kamera. Auch dadurch sollten eigentlich jegliche Verbindungen zur rechten Szene ad absurdum geführt werden. „Yakuza“ unterscheidet nicht zwischen schwarz und weiß oder gläubig und ungläubig, sondern ausschließlich zwischen Arschloch und Nicht-Arschloch.

Nachtrag vom 25. Juli 2016

Die oben getätigten Aussagen stammen von der Oberbekleidungsfirma „Yakuza“ und nicht von „Yakuza Premium“. Beide Unternehmen haben sich nach eigenen Angaben 2012 getrennt und produzieren seitdem unabhängig von einander Kleidungsstücke.