Develey kündigt KEINEN fairen Senf an!

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Richtigstellung vom 31. August, 23:00: Die Develey Senf & Feinkost GmbH hat zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, einen fair gehandelten Bautz’ner Senf, in Kooperation mit dem Verein zur Förderung des Fairen Handels – TransFair, auf den deutschen Lebensmittelmarkt zu bringen. Ich sei wohl einer Falschmeldung aufgesessen, lies der Head of Marketing & Corporate Communication, Volker Leonhardi, in erstem Stil per E-Mail wissen. „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst.“

Anscheinend bin ich das, also einer Falschmeldung aufgesessen. Deswegen habe ich alle wesentlichen Merkmale der Falschmeldung mit dem Titel „Develey kündigt fairen Senf an“ (vom 31.08.2015, 10:00) unkenntlich gemacht oder gelöscht.

In Unterhaching schien diese Angelegenheit über den Tag so viel Aufregung verursacht zu haben, dass neben dem Head of Marketing gleich auch noch eine Unternehmensberaterin in die Spur geschickt wurde, um einen hastig verfassten Kommentar abzusetzen. Dies geschah allerdings nicht unter der eigentlichen Falschmeldung, sondern unter der Contact-Seite. Und auch mit dem Apostroph der marktbeherrschenden Senfmarke …, ach, lassen wir das. Die Sache ist ernst genug – für alle Beteiligten.

Vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kleinwelka. Die können sich nach dem deutlichen Dementi aus Bayern nämlich wieder der Soll-Seite ihres Kontos widmen. So schnell wird es aus Unterhaching keine Entwicklungshilfe geben, die bleibt dann doch wieder nur den Landstrichen ohne elektrifizierte Eisenbahntrassen vorbehalten. Und dabei hatten sich einige sehr freudig erregte Menschen bei mir gemeldet, die den fairen Preis von weit jenseits der derzeit gültigen 29 Cent pro Becher gerne gezahlt hätten.

Zur umfänglichen Nachvollziehbarkeit der Änderungen am falschen Text, hier der fragmentierte Artikel vom 31. August 2015, 10:00:

Der falsche Screenshot, den es auf develey.de nie gegeben hat.

Wie bitte? Bautz’ner präsentiert einen fair gehandelten Senf? Habe ich das gerade richtig auf der Website der Develey Senf & Feinkost GmbH gelesen? Anscheinend. Denn das Unternehmen aus Unterhaching, zu dem Bautz’ner gehört, veröffentlichte soeben eine Pressemitteilung (PDF), die genau diesen Schluss nahelegt. Was man bisher nur von Lebensmitteln aus fernen afrikanischen und südamerikanischen Ländern kannte, soll nun anscheinend auch in Mitteleuropa praktiziert werden: faire Löhne für gute Produkte.

Hier stand im Originalartikel vom 31. August 2015, 10:00, ein Auszug aus einer gefälschten Pressemitteilung zu der nun nicht mehr glaubhaften Einführung eines fair bezahlten Bautz’ner Senfs auf Basis der Geschmacksrichtung mittelscharf.

Der Preis für den 200 Gramm-Becher mit dem international bekannten Fairtrade-Logo soll bei 1,99 Euro liegen. Damit wäre der faire Bautz’ner, pünktlich zur Weihnachtszeit, dann in etwa so teuer wie seine Kollegen aus Frankreich. Ob die Kunden dann aber noch immer so eifrig zum „Mittelscharfen“ – der aktuell für 29 Cent zu haben ist – greifen werden, wird sich zeigen. Für mich jedenfalls wird es nach der Preisanpassung nur noch und ausschließlich Bautz’ner Senf zum Kassler geben.

Letzte Woche erst berichtete ich über die schlechte Bezahlung im Senfwerk Kleinwelka. Stundenlöhne zwischen 9,80 und 10,60 Euro für Facharbeiterinnen und Facharbeiter verdeutlichten einmal mehr, dass die Oberlausitz nicht nur zu Osterzeit bei Touristen, sondern auch ganzjährig bei schwachen Gewerkschaften und Lohnkosten sparenden Großkonzernen beliebt ist. Nun aber, so scheint es jedenfalls, legt der Senf-Multi aus Bayern die Knute zur Seite und lässt mithilfe der Kundschaft die Löhne der Lieferanten und Angestellten steigen. Ob dies eine direkte Reaktion auf den angesprochenen LaBa-Bericht ist, oder nicht, ist mir dabei ganz herzlich egal.

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2 Gedanken zu „Develey kündigt KEINEN fairen Senf an!

  1. Das mit der Richtigstellung kam für mich
    rechtzeitig, fast hätte ich an den lieben Gott geglaubt, so glaub ich weiter an den Raubtierkapitalismus………………

    De vom Teufel………..äh…….Develey sollte sich schämen. Möchte ich wissen (was z.B. deren Oberbosse verdienen ohne sich die Hände dreckig zu machen)?

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