Le Havre – Teil 2: Streetart, Politik und andere Kunst

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Vor einem Monat besuchte ich für reichlich zwei Wochen die französische Hafenstadt Le Havre, Normandie. Nord-Normandie. Und gerne möchte ich da wieder hin. Warum? Das schreibe ich euch in drei Teilen auf den weißen Bildschirm – Teil 1 beschäftigte sich mit den Häusern in Le Havre. Teil 2 mit dem, was darauf zu sehen ist. Amusez.

Le Havre

Der im vorangegangenen Artikel zitierte Satz „Nous n’avons pas peur des ruines“ (dt. „Wir haben keine Angst vor den Ruinen“), der von Buenaventura Durruti entlehnt und an einem nicht mehr behausten Bürokomplex steht, stellt eine der wenigen sichtbaren und so klar formulierten Auseinandersetzungen mit der eher gemächlich ablaufenden Stadtentwicklung dar. Warum sollte es auch anders sein? Gentrifizierung? Die gibt es im weit entfernten Paris. Nicht aber am Ärmelkanal.

Doch trotz der von Verdrängung bisher verschont gebliebenen Freiräume, wirkt das durch die wuchtige Beton-Architektur geprägte UNESCO-Welterbe recht monochrome. Dass es in der ehemaligen Kommunistenhochburg (landläufig war vom „Stalingrad am Meer“ die Rede) nur vereinzelt Schriftzüge, Schablonenarbeiten oder andere Straßenkunst in das Blickfeld des Betrachters schaffen, liegt vielleicht auch daran, dass es der Partnerstadt von Magdeburg sichtbar an Menschen fehlt, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. „Viele Jugendliche gehen nach der Schule zum Studieren nach Paris oder Rouen“, rechtfertigt eine Ladenbesitzerin die Leerstelle.

Hin und wieder schiebt sie sich dann aber doch vor die Linse, die künstlerische Aneignung des öffentlichen Raumes. Man muss sie halt nur finden, so zwischen dem ganzen Stein und Zement.

Le Havre

Gleich ins Auge hingegen fällt der schillernden Skatepark unweit des Strands. Dieser wird dominiert von Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Rollern und BMX-Rädern die dösende Szenerie belebend auflockern. Skate- oder Longboards sieht man bei den jungen Havrais hingegen so gut wie gar nicht. Anscheinend fehlt es an stilprägenden Playstation- und Youtube-Stars. Oder eben gerade nicht.

Le Havre 06

Ganz ähnlich verhält es sich mit (partei-)politischen Statements in der vom Republikaner Édouard Philippe geführten Stadt. Sie fehlen. Nur vereinzelt werden auf T-Shirts und Putz diesbezügliche Auseinandersetzungen abseits des zum Nationalfeiertag in zehnfach Tricolor gehüllten Rathauses geführt. Die Kommunisten zeigten sich mit Plakaten im Stadtteil Sanvic …

Le Havre

… die nationalistische Identitären-Bewegung, die in Frankreich ihren Ursprung hat und mittlerweile auch in Deutschland fußfassen konnte, zentrumsnah. Und nicht ohne entsprechende Beachtung.

Le Havre - von rechts ... Le Havre - ... auf links gedreht.

Wesentlich kontrastreicher geht es im Musée d’art moderne André Malraux zu. Für lediglich vier Euro Eintritt kann man sich im MuMa beachtliche Gemälde von Claude Monet, Lyonel Feininger oder Eugène Boudin ansehen. Hauptsächlichste Motive dabei: Häfen, Steilküsten, Kühe. Vornehmlich impressionistisch modern gehalten.

Le Havre 01

Rindviecher sind es auch, die die Flächen oberhalb der Steilküsten säumen, die sich von Le Havre aus nach Nord und Süd am Atlantik imposant entlang ziehen. Dieses und vieles andere mehr gibt’s im dritten und gleichzeitg letzten Teil der kleinen Le Havre-Serie.