"Stirbt mit der CD die traditionelle Musikindustrie?"

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Eine interessante Diskussion zu o.g. Thema fand heute im INFO-RADIO des RBB zwischen Julia Claren (Geschäftsführerin Dussmann das Kulturkaufhaus GmbH), Konrad von Löhneysen (Ministry of Sound Germany), Stefan Michalk (Geschäftsführer Bundesverband Musikindustrie e.V.) und Andreas Gebhard (newthinking communications GmbH) statt.

Der Absatz von Tonträgern, insbesondere von CD’s, ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Ein Grund hierfür ist in der Digitalisierung zu sehen, da man Musik kostengünstig aber vor allem auch ohne Qualitätsverlust vervielfältigen kann. Hauptsächlich aber hat das MP3-Format die traditionellen Tonträger abgelöst. Für die Musikindustrie stellt sich zwangsläufig die Frage, wie sie Verluste eindämmen und dieser Herausforderung begegnen kann. In der Folge versucht sie dies vor allem auf juristischem Weg. Es kam aber nicht zu dem gewünschten Erfolg, sondern vielmehr zu einem Imageverlust.

Zum HÖREN …

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Anderer Schauplatz, gleiches Problem.


Die Musikfachmesse POPKOMM wurde dieses Jahr abgesagt. Grund:

Angesichts der anhaltend schwierigen Branchenlage hat die Popkomm GmbH in Abstimmung mit dem Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) beschlossen, die Branchenplattform Popkomm für ein Jahr auszusetzen. [Quelle]

Konkreter wird da schon Dieter Gorny, Vorsitzender des Bundesverbandes der Musikindustrie:

viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen

Diese Entscheidung stieß in Künstler- und Internetnutzerkreisen auf tiefe Verwunderung. „Gorny & Co. haben den Sprung auf den Zug verpasst, was können wir denn nun jetzt dafür?“ – mag sich so manch Band gedacht haben, die erst so richtig durch MySpace bekannt wurde.

Verschiedene Internet-, Software- und Musikaktivisten (u.a. newthinking communications, Motor Entertainment, RADIALSYSTEM V, 100,6 MotorFM) schlossen sich daraufhin zusammen.

Es wuchs Widerstand gegen die Absage:

Deshalb formiert sich aus dem Umfeld von Künstlern, Musik- und Softwareunternehmen das Bedürfnis, am Original-Termin der Popkomm
vom 16.-18. September in Berlin ein neuartiges internationales Branchentreffen zu organisieren. Dem Open Source – Prinzip folgend, soll in den nächsten Wochen genreübergreifend eine zeitgemäße und zukunftsfähige Musikbusiness-Plattform entstehen, bei der die aktuellen und brisanten Themen besprochen werden.

Eifrigst wird nun auch am Ablaufplan der alternativen Popkomm getüftelt:

[…] verwandelt sich Berlin an drei Tagen in einen dezentralen Marktplatz der Musikwirtschaft. Der dritte Tag gipfelt in einer internationalen Konferenz im RADIALSYSTEM V. Darüber hinaus bleibt genug Raum um in zahlreichen Locations der Stadt neue Musik zu hören.

Man darf gespannt sein, ob sich die „arg gebeutelte Musikindustrie“ auf der etwas anderen Messe ein paar neue Denkweisen für kommendes Jahr abschaut – oder es bleiben lässt und auf die Politik mit neuen Gesetzen hofft.